Drei Ausstellungen in Frankfurt am Main – Ein salopper Bericht

Das neue Romantiker-Museum hat mich etwas unschlüssig und zwiegespalten zurückgelassen. Für mich wenig Neues (aber immerhin zwei Sachen erfahren von denen ich noch nichts wusste und ganz interessant finde, dass ich das mal nachverfolgen werde: Bettine Arnims Armenbuch, dass der preußische König verbot zu drucken und Brentanos Gespräche mit der Nonne Emmerick) und für Leute, die nichts darüber wissen im Grunde zu wirr irgendwie, viel Spielkram, aber Licht und Farben (hallo! Romantik!) beliebig bzw. nicht durchdacht.

Umso grandioser fand ich die Paula Modersohn-Becker Schau in der SCHIRN…ich hab mittlerweile so ungefähr alles über, aber vor allem auch von ihr gelesen (Tagebücher, Briefe), dass das Leben beinahe schon angefangen hatte die Kunst zu überlagern, umso größer, ihre Bilder jetzt endlich mal in echt ansehen zu können.

Und was soll ich sagen, der Wow-Effekt hat mich selbst überrascht, die Kunst ist jetzt wieder in den Vordergrund gerückt und das ist gut. Endlich konnte ich begreifen, was immer dazu geschrieben wird, nicht nur dieses typischen „ihrer Zeit vorraus“, die Zeiten sind eh immer hinterher, aber ihren malenden Zeitgenossen vielfach halt und hat deren Engstirnigkeit ertragen müssen…man konnte die Entwicklung auch gut bildlich nachvollziehen, von der groben, dicken und kratzen Auflage auf den Bildern, die das klobige richtig materiell ausstellten und das immer monochrom und flächig Werdende in den wenigen Landschaftsbildern (Otto Modersohn hat gegen sein Ende nachher ab und an noch dahingefunden). Dann Paris, die alten römischen Mumienportaits, die afrikanische Kunst (vor Picasso noch) und natürlich Gaugin, Matisse und natürlich Cézanne…da wusste sie – und kannte ja Rilke: Du musst dein Malen ändern!…Vorher schon anders als die anderen wird sie jetzt wirklich ein eigener Planet…obwohl sie das Flächige, Vereinfachte beibehält wird es skulpturaler und wirkt trotzdem auf einmal viel leichter und farbiger, erstrecht, wenn der sichtbare Cezanne-Bezug sich in ganz Eigenes auflöst. Ein Stillleben mit Zuckerdose wirft schon ein Licht Richtung Morandi.

Wiewohl der Inhalt eh zweitrangig ist, bei ihr ist es die Form…Gleichwohl war ihr ja den Umständen entsprechend nicht viel Möglichkeit gegeben Modelle auszusuchen, weswegen es wenn nicht sie selbst, dann allermeistens Arme, Kinder und Frauen…und während die anderen Worpsweder, die die gleichen Bauern auch mal malten idealisierten oder pseudo-realismusierten, hat sie da weder beachönigt und grad durch ihre Art des Malens diesen Frauen echt Würde und Menschlichkeit gegeben…vor dem Bild der Armenhäuslerin Drehbeen Schröder hab ich lange gestanden, hat mich sehr fasziniert…es ist als wäre Van Gogh in Leibl gefahren…aber es ist ja Vogeler, der nachher Kommunist wurde.


Dann wurde im Städel mit der Marke Rembrandt die Ausstellung „Nennt mich Rembrandt!“ über die Marke Rembrandt verkauft.

Ich bin ja kein so großer Fan seiner Kunst, er als Mensch, was man so von ihm weiß schien aber ein guter Typ gewesen zu sein (Humor hatte er, es gab eine Karikatur von ihm, die in Kurzaussage letztlich heißt: Der Künstler scheißt auf die Eseleien der Kunstkritiker). Er hat ja bewusst dunkler gemalt als seine Zeitgenossen und ich mag dieses sehr Dunkle nicht so (ich mag auch das allzu hell Kulissenhafte nicht – ich bin weder Klassiker, noch Romantiker, sondern irgendwo dazwischen) und ich kann grad auch mit seinen Bibel und Mythen Bilder inhaltlich nicht anfangen, mag der Zeit geschuldet sein (wobei mich die Themen nicht per se stören), aber die nehmen mich nicht mit. Immerhin schafft er der armen Hagar und das nur in einer Grafik (auch nur in der Form kommt „das Volk “ bei ihm vor, Rattengiftverkäufer, Bettler und Schlachter bekommen keine Gemälde) endlich eine echte Emotion jenseits des Maskenaffektes, während sein Freund Flinck, das immerhin dem Abraham schafft.

Es sind dort die Augen, Rembrandt Augen in Portaits wie noch mehr Selbstporträts, die bei mir den Unterschied machen. Dynamik ja, aber die Augen! Am Eingang der Ausstellung begrüßte einen quasi sein Selbstporträt mit Samtbarett, kennt man, aber wieder, nun da direkt davor stehen, hat mich sehr angefasst das Bild wegen der Augen, des Blicks, der einen nicht nur kompositorisch ansieht, sondern es war wirklich als sähe Rembrandt einendurch dieses Bild aus der Tiefe der Zeit an, wirklich berührend.

Städelmuseum

Überhaupt Rembrandts Zeit, ich mag ja diese Gruppenportraits der Zeit, Schützengilden (Nachtwache war natürlich nicht zu sehen), Ärztekammern, Handelskontoren, Frauenzuchthausleiterinnen(!) etc., weil man Menschen von damals sieht (bürgerlich zumeist natürlich), die Vergangenheit belebt sich mit echten, individuellen Menschen, ihren Gesichtern usw. das ist cool…irgendwo stand ein Zitat von wegen kein Land zu seiner Zeit kann man so gut durch Gemälde kennenlernen ohne da gewesen zu sein wie die goldenen Niederlande.

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