Afghanistan: Kurzkommentar und Linksammlung

Kritik an der aktuellen Bundesregierung ist zweifellos berechtigt, aber es ist höchste Zeit, darüber zu Reden, wie das Desaster anfing. Das Zusatz-Desaster des Abzug kommt nur noch als „Krönung“ dazu, das eigentliche Desaster ist viel größer. Nämlich die ganzen 20 Jahre.

Die USA hatten den Bündnissfall aufgerufen nach 9/11. Der Angriff auf die TwinTowers erfolgte durch keinen Staat, trotzdem sah sich die damalige Regierung genötigt Militär nach Afghanistan zu entsenden ohne irgendeine Vorstellung, wie das wieder beendet werden soll. Es wurde unendlich viel Geld versenkt, das in der Entwicklungshilfe besser eingesetzt wäre. Und, man kann es nicht genug einfordern: Verteidigungsbündnisse dienen der Landesverteidigung und nicht Interventionskriegen. Wäre der deutsche Afghanistan-Einsatz mit der Erreichung des ursprünglichen Ziels, das schon fragwürdig genug war – Bekämpfung des Terrors – mit Ausschalten von Osama bin Laden 2011 beendet und nicht um einen neuen Auftrag – Nation Building – unter FDP-Außenminister Guido Westerwelle und CDU-Kanzlerin Angela Merkel erweitert und verlängert worden, dann wäre Deutschland womöglich die jetzige schändliche Katastrophe erspart geblieben.

Was den Afghanen erspart oder nicht erspart geblieben wäre, dass kann keiner wissen. Und wo man sich eben doch dazu entschlossen hatte zu tun, was man tat, nun die Leute im Stich zu lassen, die dabei halfen und darauf hofften. Stimmen hier: https://www.zeit.de/politik/ausland/2021-08/afghanistan-rettung-ortskraefte-bundeswehr-taliban-gefahr-protokolle?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

Es ist ja bekannt, dass ein Großteil der Afghanen die Streitkräfte noch länger im Land haben wollten. Die Rolle der afghanischen Regierung und ihr ebenso kläglicher Abgang muss wohl nicht weiter kommentiert werden.

Gleichzeitig muss gesagt werden, dass viele Afghanen davon profitierten, dass die Taliban vertrieben wurden, allen voran eindeutig die Frauen. Sie sind es vor allem, denen jetzt meine Gedanken anhängen; den Schülerinnen (und Lehrerinnen), der Bürgermeisterinnen, Radfahrerinnen, Journalistinnen, jeder Frau dort, allen, die jetzt schon wieder aus Angst nicht mehr ihre Häuser verlassen und denen die Jahre der Anwesenheit westlicher Streitkräfte die Chancen boten ihr Leben nach ihren Vorstellungen zu leben, vor allem in realtiver Freiheit und Sicherheit. Das sei bei aller Kritik an solchen Einsätzen immer auch zu berücksichtigt, denn ess ist keine Trivialität und kein Faktor, der einfach so beisseite zu schieben ist. Außer einem geht’s tatsächlich weniger um die Menschen als das Prinzip. Es ist im Grunde das Dilemma, das solchen vorhaben und Aktionen immer inhärent ist und man wird es nie sauber auflösen können. Auch wenn mir sehr wohl bewusst ist, dass ausdrücklich „nur“ für Frauenrechte keine Streitmacht irgendwo einmarschieren würde – was dann auch wieder fast traurig ist.

Lesenswerte Beitrag eines russischen Journalisten über die Situation und den Umgang mit Afghanistan: https://www.dekoder.org/de/article/russland-afghanistan-krieg-taliban

Taliban im Kreis der Islamisten-Gruppen und hinsicthtlich der arabischen Welt: https://www.tagesschau.de/ausland/asien/taliban-alkaida-is-101.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

-> drei hörenswerte Radiointerviews- insgesamt bringt der DLF die Tage wirklich gute Beiträge zum Theman – zu den aktuellen Entwicklungen:

-> ergänzend zum letzten Interview: https://www.aljazeera.com/news/2021/8/22/taliban-retakes-power-but-it-faces-mounting-challenges-ahead

-> Sehenswert auch diese drei Dokus über frühere Entwicklungen in Afghanistans im 19. Jh. schon und 1978 bis 1989,sowie der letzten und aktuellen Situation :

Über die Rolle der USA und möglichen Illusionen des Nation Building in Afghanistan:

Über Sinn und Unsinn von Auslandseinsätzen ingesamt: https://www.deutschlandfunk.de/diskussion-um-auslandseinsaetze-moegliche-lehren-aus-dem.2897.de.html?dram:article_id=501859

Die deutschen Soldaten in Afghanistan kommen zu Wort:

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